1909 · Das zweite Knie · Kerstin/Bernd · Tag-Nacht (Innenhaut-Bericht)

Das Magazin für Bewegung und Gelenke · Ausgabe September 2026
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’Das zweite Knie’
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Das zweite Knie gibt zuerst auf: 7 Dinge, die Ihnen über die Gelenkinnenhaut niemand erklärt

Warum das Röntgenbild vom kranken Knie die falsche Frage beantwortet – und was im gesunden Knie passiert, während alle auf das andere schauen.

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Knie beim Aufstehen vom Stuhl
Die Stelle, an der Arthrose tatsächlich wehtut, ist auf keinem Röntgenbild zu sehen.

Kerstin R. hat uns geschrieben, weil ihr Mann nachts im Flur gestürzt ist – und zwar über das Knie, das keiner behandelt hat. Wir haben ihr versprochen, den Zusammenhang mit der Gelenkinnenhaut in Ruhe zu erklären. Das ist dieser Beitrag. Er handelt nicht davon, was auf einem Röntgenbild zu sehen ist, sondern von dem Gewebe, das den Schmerz überhaupt erst erzeugt – und davon, warum ausgerechnet das beschwerdefreie Knie dabei die größere Last trägt.

1Der Knorpel, auf den alle tippen, kann gar nicht wehtun

Im Gelenkknorpel liegt kein einziger Nerv. Er kann keinen Schmerz melden, weil ihm das Organ dafür fehlt. Wenn Ihr Orthopäde also auf den schmaler gewordenen Spalt im Bild zeigt und Sie dabei Schmerzen haben, zeigt er auf zwei Dinge, die nebeneinander bestehen – nicht auf Ursache und Wirkung.

Was wehtut, liegt daneben: die Gelenkinnenhaut, die Kapsel und der Fettkörper unter der Kniescheibe. Diese Gewebe sind durchblutet, sie sind voller Nervenendigungen, und sie können sich entzünden. Der Knorpel kann das alles nicht.

Deshalb erklärt ein Röntgenbild Ihre Schmerzen nicht – und deshalb sagt ein unveränderter Befund auch nichts darüber, ob es Ihnen besser gehen kann.

2Dieselbe Innenhaut stellt die Gelenkflüssigkeit her

Jetzt kommt der Teil, der in zehn Minuten Sprechstunde keinen Platz hat. Die Gelenkinnenhaut ist nicht nur das Gewebe, das wehtut. Sie ist auch die Fabrik, die die Gelenkflüssigkeit produziert – also genau den Stoff, von dem der Knorpel lebt.

Der Knorpel hat nämlich kein einziges Blutgefäß. Er wird ausschließlich über diese Flüssigkeit ernährt, und sie wird nur dann in ihn hineingedrückt, wenn das Gelenk bewegt und belastet wird. Der Knorpel ist ein Schwamm, und Bewegung ist die Pumpe.

Ist die Innenhaut gereizt, arbeitet die Fabrik schlechter. Und die Reizung schaltet zugleich die Pumpe ab – weil Schmerz zu Schonung führt.

3Der Kreis läuft in beiden Knien – fotografiert wird nur eines

Damit läuft ein Kreislauf, und er läuft in die falsche Richtung: Die Innenhaut ist gereizt, das tut weh. Weil es wehtut, wird geschont. Weil geschont wird, kommt weniger Flüssigkeit. Weil weniger Flüssigkeit kommt, wird der Knorpel schlechter versorgt – und die Innenhaut noch gereizter.

Auf dem Röntgenbild sehen Sie von diesem ganzen Vorgang genau eine einzige Sache: dass der Spalt enger wird.

Verschleiß ist kein Zustand. Es ist ein Kreis, aus der Mitte fotografiert.

4Warum das zweite Knie schneller altert als das kranke

Hier beginnt der Teil, um den es Kerstin ging. Wer ein Knie schont, verlagert die Last nicht ins Nichts. Er verlagert sie auf die andere Seite.

Sie setzen auf der schmerzenden Seite kürzer auf. Sie drehen den Oberkörper leicht mit. Sie stehen über das gesunde Bein auf und stützen sich mit der Hand ab. Sie nehmen die Treppe über das gute Knie, jede Stufe, jeden Tag.

Ein Auto mit einem platten Reifen fährt trotzdem – die anderen drei tragen die Last. Nur steht bei Ihnen niemand daneben und zählt mit, wie oft das passiert.

Das zweite Knie bekommt über Jahre eine Mehrarbeit, die in keiner Akte auftaucht, weil sie nirgends gemessen wird.

5Warum "sich mehr bewegen" das zweite Knie zusätzlich belastet

Der Rat, sich zu bewegen, ist richtig – die Pumpe braucht ihn. Nur beantwortet er die entscheidende Frage nicht: Wie soll sich jemand bewegen, wenn genau diese Bewegung der Grund ist, warum es wehtut?

Der Schmerz sitzt bei den meisten vorn, unterhalb der Kniescheibe. Dort zieht der Oberschenkel über die Sehne an der Kniescheibe – bei jedem Schritt, bei jeder Stufe, bei jedem Aufstehen vom Stuhl. Die volle Kraft eines Oberschenkels läuft dabei über eine Fläche, die kleiner ist als ein Zwei-Euro-Stück.

Nimmt man den Zug von dieser einen Stelle, fällt der Widerspruch weg. Die Bewegung wird wieder möglich, ohne dass geschont werden muss – und die Pumpe läuft, während gegangen wird. Gleichzeitig hört die Lastverschiebung auf das zweite Knie auf.

6Warum Wärme die Innenhaut beider Knie nicht erreicht

Bleibt die Entzündung, die über die Jahre entstanden ist. Sie verschwindet nicht, nur weil wieder normal gegangen wird. Das Gewebe müsste abschwellen, und das kostet Energie, die gereizte Zellen schlecht herstellen.

Wärme hilft dabei nicht. Sie bleibt in der Haut und wenigen Millimetern darunter – eine Decke über einer kalten Wohnung; warm wird die Decke. Die Innenhaut liegt tiefer.

In den Arbeiten zu diesem Feld geht es um rotes und nahinfrarotes Licht bei 660 und 850 Nanometern. Zwei Bedingungen entscheiden dabei über alles: Die Wellenlängen müssen angegeben sein – eine Wattzahl sagt nur, was aus der Steckdose kommt, nicht, was im Knie ankommt. Und die Quelle muss auf der Haut liegen, nicht auf dem Tisch stehen: Die Intensität fällt mit dem Quadrat der Entfernung. Bei vierzig Zentimetern behandeln Sie Ihr Wohnzimmer.

7Tagsüber und abends sind zwei verschiedene Aufgaben – an beiden Knien

Fasst man die sechs Punkte zusammen, ergibt sich nicht ein Problem, sondern zwei – zu verschiedenen Tageszeiten.

Tagsüber ist das Problem eine Kraft. Die Last läuft über eine zu kleine Stelle, deshalb wird geschont, deshalb steht die Pumpe und deshalb übernimmt die andere Seite. Dagegen hilft kein Licht und keine Salbe, sondern nur, den Zug von dieser Stelle zu nehmen, während gegangen wird.

Abends ist das Problem eine Entzündung. Dann liegt das Bein, nichts zieht mehr, und das gereizte Gewebe müsste die Schwellung abbauen. Dagegen hilft keine Bandage, sondern nur etwas, das in die Tiefe kommt.

Und beides gehört an beide Knie. Das beschwerdefreie ist nach Jahren der Schonung kein unbeteiligtes Knie mehr, sondern das, was die Mehrarbeit getragen hat. Bei Kerstins Mann war es das linke – das, das nachts im Flur nachgegeben hat.

Wer nur eine der beiden Aufgaben erledigt, und das nur an einem Bein, macht eine halbe Sache an einem von zwei Gelenken.

Was Leserinnen und Leser berichten

Marianne K. ★★★★★
Ich habe die kurze Bandage morgens angelegt und bin abends das erste Mal seit Monaten ohne dieses Ziehen vorne die Treppe hoch. Das Licht abends merke ich nicht sofort, das hatte ich aber auch so gelesen.

Hans-Jürgen B. ★★★★★
Mich hat überzeugt, dass zwei Bandagen dabei sind. Mein rechtes war das Problem, aber mein linkes hat vier Jahre alles mitgemacht. Genau da hat es letzten Winter angefangen zu ziehen.

Petra Ludwigs ★★★★★
Ich habe vorher zwei Lampen ausprobiert, die auf dem Tisch standen. Der Unterschied ist, dass das Ding direkt anliegt. Nach vier Wochen ist mein Knie abends nicht mehr dick.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich etwas tut?

Zwei verschiedene Dinge mit zwei verschiedenen Zeiträumen. Die Entlastung vorn merken die meisten am ersten Tag beim Aufstehen – das ist der mechanische Teil. Die Reizung braucht dagegen Wochen, weil es um Stoffwechsel in einem Gewebe geht. In der ersten Woche passiert dabei erfahrungsgemäß nichts.

Warum soll ich das beschwerdefreie Knie mitbehandeln?

Weil es die Mehrarbeit trägt, solange das andere geschont wird. Genau deshalb sind zwei Bandagen enthalten und nicht eine.

Ändert sich dadurch etwas an meinem Röntgenbild?

Nein, und das sollte auch niemand versprechen. Das Bild zeigt den Spalt. Der Schmerz sitzt im Gewebe daneben. Genau deshalb können sich Befund und Beschwerden unterschiedlich entwickeln.

Kann ich die Bandage den ganzen Tag tragen?

Sie ist für den Tag gedacht, also für die Zeit unter Belastung. Sie trägt kurz und flach auf und ist unter normaler Kleidung nicht zu sehen. Die Lichtanwendung gehört dagegen in die Ruhephase am Abend.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Hersteller entstanden. Die beschriebenen Erfahrungen sind individuell und keine Zusage eines bestimmten Ergebnisses.